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Zu wenig in Werbung für Emmentaler investiert - Bern - derbund.ch

Zu wenig in Werbung für Emmentaler investiert

In den letzten Jahren ist immer weniger Emmentaler verkauft worden. 2009 hat auch die Auflösung von Lagerbeständen zum Verlust der Spitzenposition geführt.

Schon seit Jahren wird die Position des Emmentalers immer löchriger. Noch in den 1980er-Jahren betrug die Jahresproduktion beim Inbegriff des Schweizer Käses um die 57 000 Tonnen. Ein Teil davon war allerdings auch Überschussware, der man mit Staatskrücken zum Sprung in ausländische Regale verhalf. Nun ist die Produktion im letzten Jahr auf 23 480 Tonnen geschrumpft, gegenüber 26 300 Tonnen Greyerzer – in diesen Zahlen ist der Dezember noch nicht enthalten. Geht der Abwärtstrend im gleichen Stil weiter, dann würde im Jahr 2035 überhaupt kein Emmentaler mehr produziert.

Arthur Fasel, Geschäftsleiter der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland, relativiert den Rückgang: «Wir haben einen Teil der Lagerbestände abgebaut und deshalb die Produktion gedrosselt.» Die Lagerbestände wurden laut Fasel im letzten Jahr um 1000 bis 1500 Tonnen reduziert. Doch auch Fasel gibt zu, dass die Verkäufe in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen haben. Ein Grund für diese Situation: «Es gibt zunehmend Fälschungen und Imitate im Exportmarkt. Das schadet dem Produkt Emmentaler.» Den Greyerzer sieht Fasel nicht als Feind oder Gegner, doch auf die «Konkurrenz aus dem eigenen Lager» ist er nicht gut zu sprechen. Damit sind Emmentalerproduzenten gemeint, die sich nicht ans Pflichtenheft halten: Käselaibe werden ins Ausland verschoben und dann als echter Emmentaler verkauft, obwohl der Käse vielleicht aus Silomilch hergestellt wurde – die Kühe wurden also mit Silofutter abgespeist. Emmentaler-AOC-Kühen darf jedoch nur Gras und Heu vorgesetzt werden. Bei Silofutter muss je nachdem die Gärung im Käse mit Zusatzstoffen gehemmt werden. Dem Bundesamt für Landwirtschaft sowie einzelnen kantonalen Ämtern sei diese Fälschung bekannt. Emmentaler fordert von den zuständigen Stellen die unverzügliche Beschlagnahmung der Ware. Der Vollzug ist laut Fasel in diesem Bereich ungenügend. «Die Behörden sollten energischer intervenieren.»

Ein zweiter Grund für den Rückgang: «Wir haben lange zu wenig in Werbung und Marketing investiert.» Lange betrug der Produktebeitrag an Emmentaler Switzerland lediglich 20 Rappen pro Kilo. Erst im letzten Jahr erhöhten die Delegierten den Beitrag auf 60 Rappen. Bei Gruyère liegt der entsprechende Betrag schon seit einiger Zeit bei über 80 Rappen. Da kommt über die Jahre einiges zusammen: Von 2003 bis und mit 2009 seien Gruyère rund 100 Millionen Franken mehr für Werbung und Marketing zur Verfügung gestanden. Nun ist aber auch bei Emmentaler mehr Geld in der Kasse: Für einen neuen Werbespot hat man Oscar-Gewinner Xavier Koller geholt und die Olympischen Spiele in Vancouver werden als Werbeplattform benutzt. Als dritten Grund für den Rückgang nennt Fasel die Wirtschaftskrise, was aber auch dem Export der anderen Käsesorten geschadet hat.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Käsereien stark zurückgegangen. Der wirtschaftliche Druck ist gross. 1999 wurde noch in 520 Käsereien Emmentaler hergestellt. Jetzt sind es noch knapp 180. Etwas mehr als ein Drittel der Käsereien liegen im Kanton Bern. Stark vertreten sind auch die Kantone Luzern, Thurgau und St. Gallen.

Der Siegeszug des Emmentalers begann 1815, als in Kiesen die erste Talkäserei den Betrieb aufnahm. Der Käse wurde aber schon lange vorher hergestellt. Der Greyerzer wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Schon viel früher soll der Käse der Legende nach ein prominentes Opfer gefordert haben. Der römische Kaiser Antoninus Pius soll 161 nach Christus nach übermässigem Verzehr von Käse aus der Region (alpinus caseus) an Fieber erkrankt und gestorben sein. Eigentlich nichts, womit man sich brüsten könnte. (wal) (Der Bund)

Erstellt: 08.02.2010, 07:29 Uhr

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